Wie Fußgängerfreundlichkeit auch in Bonn möglich ist

Wie Fußgängerfreundlichkeit auch in Bonn möglich ist

Heute wollen wir einen Blick in das 2013 erschienene Buch „Walkable City“ (Gut zu Fuß erreichbare Stadt) von Jeff Speck werfen. Er ist amerikanischer Stadtplaner und Autor. Amerika ist bekannt für seine autogerechten Städte, aber auch hier gibt es seit langem eine Gegenbewegung, die nun langsam auch in der alten Bundeshauptstadt ankommen könnte. Doch wie lässt sich die Fußgängerfreundlichkeit konkret steigern? Der Autor Speck entwickelt in seinem Buch 10 einfache Grundsätze, doch zunächst überrascht es, dass nicht Wohlstand, Gesundheit und Nachhaltigkeit die wichtigsten Argumente für Fußmobilität sind, sondern Nützlichkeit, Sicherheit, Bequemlichkeit und Neugierde.

Wenn also etwas zeitsparend nah in unserer Nachbarschaft erledigt werden kann, hilft es uns mehr, als großen Energieaufwand betreiben zu müssen. Dass Sicherheit wichtig ist, versteht sich von selbst, aber auch Straßen und Wege als Lebensräume mit Aufenthaltsqualität erweitert die Möglichkeiten, Menschen zu sehen und zu treffen an schönen Orten und Gebäuden. Facebook auf der Straße sozusagen und wir kennen alle die verwinkelten spannenden Städte des Südens. Verkehrspolitik und Stadtgestaltung gehören also eng verwoben zusammen. Daher ist es leicht, Dinge zu ändern. Nur wenn man nichts ändert potenzieren sich die Probleme in einer Stadt immer weiter.

Ein großer Schritt für einen Wandel, viele kleine für eine Bewegung

Für einen ersten Schritt empfiehlt er Autos dorthin zu setzen, wo sie hingehören, auf die Straßen und auf private Grundstücke. Mobilität muss öffentlich sein, Straßen gehören der Mobilität. Autos im Stau sind keine Mobilität, daher haben Autos eigentlich auch nichts auf Gehwegen verloren! Speck ist gegen Fußgängerzonen, eher für Staukalkulation, denn nur dann stellt der Autonutzer und Fuß- und Radverweigerer fest, dass das Automobil uns nicht schneller bewegen kann nur weiter, was länger dauert. Stress durch Stau und weniger Zeit, statt entspannte Fortbewegung in der Stadt.

Ein weiterer wichtiger 2. Schritt ist für den Experten Speck, die deutliche Mischung der Nutzungsfunktionen in der Stadt. Keinen reinen abgegrenzten Gebiete und Viertel in der Innenstadt für Arbeiten, Einkaufen, Essen, Trinken, Lernen, Kultur und Kunst, Treffen, Kontakte, Feiern, Gesundheit, Besuchen und Schlafen! Stattdessen kann Durchmischung dazu führen, dass Wohnungen günstiger werden, weil die Infrastruktur dorthin günstiger ist. Warum auf vielen Bonner Büroneubauten keine Wohnungen gebaut werden, versteht keiner!

Der 3. Schritt zur fußgängerfreundlicheren Stadt bedeutet dass die vom Arbeitgeber subventionierten Parkplätze und die nachzuweisende Stellplatzzahl den Städtebau unterminieren, und plädiert stattdessen für Standortgebühren zur Finanzierung gemeinsamer städtischer Parkplatz und Parkhausfinanzierungsprogramme für Angestellte großer Unternehmen wie in Bonn Telekom, Post und Postbank und die Verwaltungsangestellten von Bonn im Stadthaus selbst.

Schritt 4: Wer den ÖPNV mit Bus und Bahnen nutzt startet und endet seinen Weg mit einem Spaziergang, davon profitieren die Innenstadt-Unternehmen! Obwohl eine Innenstadt also von einer guten Durchfahrt profitiert, ist eine gute Durchfahrt auch von der Fußgängerfreundlichkeit abhängig. Wer also wegen schlechter Wege für Fuß, Rad und ÖPNV das Auto bevorzugt, macht allen Verkehrsteilnehmern den Weg schwieriger durch Stau und Stress! Alle leiden, keiner hat mehr direkten Nutzen! Lärm und Abgase kommen dazu. „Wenn das Parken aber so allgegenwärtig massenhaft wie günstig ist, ist die einzige wesentliche Einschränkung für das Autofahren die selbst verschuldete Überlastung“ Speck behauptet, Straßenbahnen sollten kein Mittel sein, um den Verkehr zu reduzieren, sondern können eher als Fußgängerbeschleuniger wirken, was besonders dann sinnvoll sind, wenn sich ein großer Bereich ungenutzter öffentlicher Flächen nur wenige Schritte von der fußläufig erreichbaren Innenstadt befindet. Traditionell haben Busse auf manchen Routen Schwierigkeiten, effizient und angenehm zu sein. Fuß und Rad haben dann Vorteile, wenn sie eine dem Autofahren überlegene Erfahrung bieten können, durch erlebbare Urbanität, Klarheit der Wege und Vergnügen.

Schritt 5: Fußgänger müssen geschützt werden
Speck befürwortet zunächst kleine Häuserblocklängen in Innenstadtvierteln mit vielen Blöcken pro Quadratkilometer. Das ermöglicht Nahmobilität mit kürzeren Entfernungen zwischen einzelnen Zielen. je breiter aber städtische Straßen sind, desto höher automatisch die Geschwindigkeiten. In Bonn gerade diskutiert am Adenauer-Damm auf dem Brüser Berg. Fußgänger benutzen die Brücke nicht, sondern möchten ebenerdig über die vierspurige Stadtautobahn auf der nicht mal Tempo 50 gilt. Queren Fußgänger aber die Fahrbahn müsste man eine Ampel bauen, was von der Verwaltung als Leistungsminderung der Straße aufgefasst wird. Verkehrsexperte Jeff Speck ist außerdem der Meinung, dass Einbahnstraßen nicht für die Innenstadt und den Einzelhandel geeignet sind. Der Verkehr wird ungleichmäßig verteilt und die Sichtbarkeit der Straßen verringert, es profitieren nicht alle Straßen gleichzeitig. „Was einen Bürgersteig sicher macht, ist nicht seine Breite, sondern ob er durch eine Reihe geparkter Autos geschützt wird, die eine Stahlbarriere zwischen Fußgänger und Fahrbahn bilden.“

Schritt 6: Willkommensfahrräder
„Eine Straße mit Fahrrädern, wenn sich die Fahrer erst einmal daran gewöhnt haben, ist ein Ort, an dem die Autos vorsichtiger fahren.“ Straßen mit Fahrradinfrastruktur haben sich für Fußgänger und Autofahrer langfristig als sicherer erwiesen.

Schritt 7: Formen Sie die Räume
„Wenn ein Planer-Team aufgefordert wurde, die Lebensdauer von Gebäuden radikal zu reduzieren, gibt es keine effektivere Methode , als die gängigen Planungsprinzipien zu verwenden“ – Jan Gehl, ein dänischer Architekt und Stadtplaner aus Kopenhagen. Fußgänger genießen ein Gefühl der Geborgenheit und brauchen es, um sich wohl zu fühlen. Das Problem ist jedoch, dass die typische amerikanische Stadterfahrung ein tiefgreifender Mangel an räumlichen Erfahrungen ist, „eine Schachbrettstadt ohne zweispurige Straßen“, und dass der öffentliche Raum auf den figuralen Objekt der modernistischen Architekten trifft. Das Setzen von Straßenbäumen und die Schaffung eines Puffers zwischen den Fußgängern ist entscheidend für den Erfolg. Er führt weiter aus, dass hohe Gebäude nicht unbedingt erforderlich sind, um dieses Raumgefühl oder diese Dichte zu schaffen, und dies kann tatsächlich einen Nachteil für die Entwicklung in der Innenstadt darstellen.

Schritt 8: Bäume pflanzen

Bäume können auch eine Kathedralen-artige Einfassung der Straßen bilden und andere Umwelt-, Gesundheits-, Sicherheits- und wirtschaftliche Vorteile haben. Straßenbäume stellen einen offensichtlichen Puffer zwischen Bürgersteigen und Automobilen dar, obwohl Ingenieure die Sicherheit von Fahrern im Gegensatz zur Sicherheit von Fußgängern gewählt haben, indem sie Straßenbäume als „feste gefährliche Objekte“ einstufen. Bäume in der Nähe der Fahrbahn nehmen außerdem CO2 und Regen effektiver auf.

Schritt 9: Formen Sie freundliche und einzigartige Gesichter

Fußgänger erfreuen sich an einer konstante Stimulation ihrer Stimmung. Parkplätze, fensterlose Ladenfronten und langweilige Stadtlandschaften tun dies nicht. Wo Parkplätze vorhanden sind, können Oberflächengrundstücke einfach durch einstöckige Gebäude verdeckt werden, und Parkhäuser in der Stadt sollten durch Sichtliniengebäude verdeckt werden oder sollten zumindest obere Etagen haben, die wie bewohnt erscheinen. Städte brauchen aktive, offene und lebendige Gebäudekanten mit transparenten Gebäudefassaden und Tiefenelementen wie Markisen, tiefen Fensterbrettern und Säulen. Fassaden-Geometrien sollte auch vertikal ausgerichtet und in der Breite begrenzt sein, um den Stadtbesucher den Eindruck von kürzeren Wegen und größerer Gebäudevielfalt zu vermitteln. Er kritisiert das Desinteresse des modernen Architektur an Fußgängern. Abschließend bekräftigt Speck, dass eine unnatürliche Begrünung der Stadt vermieden werden sollte, da nur echte grüne Freiräume die Menschen zu Spaziergängen anregen können, sonst werden die Bewohner von Städten nur sehr schwer dazu motiviert, das Gehen als praktisches Transportmittel anzunehmen.

Schritt 10: Wählen Sie Ihre Gewinner aus
Die begrenzten finanziellen Mittel sollen am besten da schnell eingesetzt werden, wo die Wegebeziehungen für Fußgänger konkret verbessert werden können. Das ist dann meist dort sehr effektiv, wo bereits ein passender privater Bereich mit Komfort und ein echtes Interesse an der Verbesserung des öffentlichen Raums vorhanden ist. Speck verwendet diese Logik, damit seine städtischen Pläne für Fußgängerfreundlichkeit umgesetzt werden. So werden die finanziellen Ressourcen für das konkrete Gebiet eingefordert. Der Experte stellt fest, dass jeder Plan, obwohl er von der Politik und Verwaltung oft als nicht angemessen angesehen wird, zuerst in den Innenstädten durchgeführt werden sollte, da es sich um genau die Orte handelt, die für das öffentliche Image einer Stadt und das Anziehen von privaten Investoren wichtig sind.