Wichtige Signale an die Fußgänger

Ja wo kämen wir denn da hin, wenn niemand ginge, um zu sehen wohin man käme, wenn man ginge?
Heute also ein kleiner Rundgang durch die Stadt über sieben Ampeln zu Fuß.

Die Lichtsignalsteuerung bestimmt bekanntlich maßgeblich die Verkehrsabwicklung in Verkehrsnetzen und ist damit wichtiges Instrument der übergeordneten Verkehrskonzepte. Es wird vermutet und zunächst durch eine Städtebefragung bestätigt, dass die in Deutschland praktizierte Fußgängersignalisierung zu Problemen führt: zum einen bei Interaktionen zwischen dem Fußgänger- und abbiegenden Kraftfahrzeugverkehr, denn abbiegende Kraftfahrer zeigen u. U. (während der Fußgängerräumzeit bei Rot) nicht die gebotene Rücksichtnahme gegenüber Fußgängern sondern lassen ihre Fahrzeuge immer noch auf Fußgänger zurollen. Zum anderen kann die Fußgängersignalisierung insbesondere bei Kindern und älteren Menschen zu Irritationen beim „Gehen gegen Rot”, also beim zu schnellem Wechsel der Ampelanzeige von Grün auf Rot sogar zum Abbruch des Überquerungsvorganges führen, wenn Autos nahen. Und nicht zuletzt wird die reine Fußgängerfreigabezeit von den Fußgängern als eindeutig zu kurz empfunden, denn Fußgänger laufen sich auch mal entgegen, gehen sich aus dem Weg und das braucht dann Zeit und Rücksicht, die nicht eingeplant ist bei den Mobilitäts-Programmierern.

Die Unvereinbarkeit zwischen Gesetzen und Regeln und kommunalem Handeln 

In den Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA 2010) steht: Unter Berücksichtigung der Forschungsergebnisse und der demografischen Entwicklung wird eine Anpassung der Mindestfreigabezeiten zur Verringerung der Häufigkeit des Laufens gegen Rot empfohlen. Aber was hat sich bei einer Zunahme des Verkehrs getan? Wie hält man Verkehr flüssig? Zählt das Miteinander?

Im Gesetz: (VV-StVO zu §§ 39-43 StVO, Rn. 5) steht tatsächlich: „Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor.“ Haben nicht viele das Gefühl daß auch in Bonn eher gilt „Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Flüssigkeit alleine des Autoverkehrs vor (Cars first). Die Verkehrssicherheit und Beschleunigung der schwächeren Verkehrsteilnehmer kann daher nicht auch noch gewährleistet werden.“ ?

Machen wir also den Test rund um den City Ring, wie schnell kommen wir in die Innenstadt? Wie wird der Fußgänger eingeladen die Straße zu überqueren? An einem normalen Samstagmittag, wie sieht das Verhältnis aus von Rot zu Grün?

Stadthaus/Breite Straße 73 Sekunden Warten bei Rot , 17 Sekunden Grün.
Hauptbahnhof/Poststraße 63 Sekunden Warten bei Rot , 12 Sekunden Grün.
ZOB/Gangolfstraße 52 Sekunden Warten bei Rot , 12 Sekunden Grün.
Kölnstraße/Bertha-von-Suttnerplatz 76 Sekunden Warten bei Rot , 26 Sekunden Grün.
Sandkaule/Belderberg 62 Sekunden Warten bei Rot , 28 Sekunden Grün.
Belderberg/Rathausgasse 78 Sekunden Warten bei Rot , 12 Sekunden Grün.
Münsterplatz/Am Hof 50 Sekunden Warten bei Rot , 10 Sekunden Grün.
Rathaus/Stockenstraße 60 Sekunden Warten bei Rot, 12 Sekunden Grün.
—————————————————————————————————————
Durchschnitt Bonner Innenstadt : 68 Rot, 16 Grün

Um eine Sekunde zu gehen, müßen wir also 4 Sekunden warten. Und weil wir langsamer sind ist Zeit für uns sehr wichtig als Fußgänger. Gerechter wäre es daher den Schnelleren länger warten zu lassen, da er die Wartezeit besser aufholen kann. Doch das würde sicher aus Umweltschutzgründen nicht gehen, weil Autos ja Schadstoffe ausstoßen, wenn sie warten, doch gibt es nicht dafür die Start-Stopp-Automatik wo der Motor aus bleibt?

Weiterführende Literatur:
Verbesserung der Bedingungen für Fußgänger an Lichtsignalanlagen, Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST), 2012
https://bast.opus.hbz-nrw.de/opus45-bast/frontdoor/deliver/index/docId/576/file/V217b.pdf