Verkehr in den Städten Frankreichs

Verkehr in den Städten Frankreichs

Warum unsere französischen Nachbar*innen im Weltbild unserer deutschen Nation als wenig fortschrittlich im Umweltschutz und der Luftreinhaltung gilt, ist für mich nicht nachvollziehbar!

Haben sie doch schon im Jahre 2007 erkannt, dass der motorisierte Individualverkehr in den Städten so wie bisher nicht mehr zu verantworten ist. Das Erkennen und Handeln zwei verschiedenen paar Schuh sind, muss ich in dieser Republik keinem erklären. Auch hier sind uns die Franzosen voraus, denn sie handelten!

So haben sich Vertreter aus Politik, Verwaltung, Gewerkschaften, Nichtregierungs-Organisationen, sowie Unternehmen zusammengesetzt, um in Sachen Umweltpolitik eine markante Wende auf den Weg zu bringen. Bekannt geworden ist dieser Umweltgipfel als Grenelle de l’environnement. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn es wurde 2008 ein Gesetz namens „Loi Grenelle 1“ verabschiedet. Es markiert gravierende Änderungen zu den Themen Energie, Ernährung, Konsum und Verkehr.

Verkehr in den Städten Frankreichs Verkehr in den Städten Frankreichs

Meine Ohren signalisierten einen markanten Aufschrei in unserem Lande beim Lesen der folgenden Maßnahmen.

So wurde der Ausbau von 2500 KM projektierter Autobahn gestoppt.

Es wurde eine sogenannte Verkehrssteuer eingeführt, die alle Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern im Bereich eines Verkehrsverbundes dazu verpflichtet, diese Steuer zu bezahlen. Das macht auch Sinn, denn diese Unternehmen profitieren vom ÖPNV. Da diese Steuer zweckgebunden ist, kommt diese zu 100 % dem ÖPNV zugute. Über diese Steuer wurden im Jahre 2017 immerhin mehr als 3 Milliarden Euro eingenommen, diese konnte um die 40 % der Kosten des ÖPNV decken! Erstaunlicherweise wird diese Steuer von den meisten Firmen akzeptiert, wird doch eingesehen, das deren Mitarbeiter bequemer und schneller zum Arbeitsplatz kommen.

*Auch die Kostendeckung weist erheblich bessere Werte auf als wir sie kennen und ergibt sich aus folgenden Zahlen:

41% aus der Transportsteuer,

32% aus Fahrgeldeinnahmen,

23% aus lokalen Steuern

4% aus Zahlungen des Staates in Form von Baukostenzuschüssen.

Damit ergibt sich ein erheblich höherer Kostendeckungsgrad als in Deutschland bei erheblich niedrigeren Fahrpreisen. So liegt das Einzelticket im VRS bei 4 Euro, in Rouen bei 1,70 Euro!

Haben die Städte über dieses Gesetz den motorisierten Individualverkehr reduziert, so gibt es Gegenden in Frankreich, da haben Sie ohne Auto keine Chance, denn ÖPNV gibt es da gar nicht! Es bleibt zu hoffen, dass auch hier langfristig gehandelt wird.

Mir fällt da ein Beispiel aus der Vergangenheit ein, als ich an einem Feriensonntag die Stadt Etretat besuchen musste. Die ganze Stadt als auch die Peripherie war gnadenlos zugeparkt. Da kam mir die Idee, doch 10 KM weiter weg zu parken und eine Museumseisenbahn zu nutzen………

Was hat mich eigentlich bewegt, zu diesem Artikel Recherchen anzustellen? Bei meinen Besuchen in Rouen, der Hauptstadt der Normandie wunderte ich mich darüber, das es hier zwei Metro Linien und unendliche Buslinien mit modernsten Fahrzeugen gibt, die nahezu ganz auf eigenen Spuren unterwegs sind!

Verkehr in den Städten Frankreichs Verkehr in den Städten Frankreichs

Und am 19. September sehen Sie an dieser Stelle, wie es in Bonn aussehen könnte, wenn „Lead City“ und „Verkehrswende“ von unserer Ratsmehrheit besser verstanden worden wäre.

 

Text und Fotos sind Eigentum von Jürgen Huber, ausser *(Quellennachweis: Zahlen aus der Doktorarbeit „Französische Planungsleitbilder für Straßenbahnsysteme im Vergleich zu Deutschland von Herrn Dipl.-Ing. Christoph Groneck).  Gefällt es Ihnen, freue ich mich über ein Like!