Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus

Obwohl Parkhäuser und Autos nicht unmittelbar in die Verkehrskategorie Fußgänger gehören, wollen wir uns heute auf eine kleine Spurensuche durch die Bonner Innenstadt begeben. Die Nutzung von Parkhäusern und die Vermeidung von Stau und Umwegen hat natürlich auch mit Fußwegen und der Bürgersteigsituation zu tun. Es ist daher stark anzunehmen, die Fußwege von und zum Parkhaus durchaus dazu geeignet sind das Beethoven-Parkhaus unattraktiv zu machen, denn nach Schließung der Parkmöglichkeiten in extremer Innenstadtnähe am Hauptbahnhof und an der Uni im Hofgarten, sowie bei Überfüllung der Parkhäuser und Tiefgaragen im Stadthaus, der Friedensplatz, der Markt- und Münstergarage sind in der Beethovengarage immer noch täglich zwischen 200-300 trockene Parkplätze frei.

Romantischer Ausflug in dörflichem Umfeld?

Die Parkgarage benannt nach unserem wohl bekanntesten Bonner, der der Musik der Romantik den Weg bereitete, bietet auf den ersten Blick leider keinerlei kurzen, direkten, sicheren und attraktiven Wege in die Innenstadt. Doch wer sich mal die Mühe macht, den 300 Meter langen Weg in 4 Minuten zurückzulegen bis zum Bertha-von-Suttner-Platz wird so manches Kleinod entdecken, das zum Schmunzeln und Verweilen einlädt. Und ganz nebenbei kann man in das Denken der Bonner Stadtplaner Einblick gelangen. Wie schreibt doch John LeCarré in seinem 1968 erschienen Bonn-Thriller Eine kleine Stadt in Deutschland

„Er stand eine Weile auf dem Rasenstreifen neben dem Parkplatz. Ein Nebelschleier hing über dem unbebauten Land, und der Verkehr brauste wie eine stürmische See.“

Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus
Tritt man also aus dem Beethoven-Parkhaus, wenden sich die Augen traurig ab, denn die schöne Architektur der Stiftskirche und die Parkplatzbäume werden durch eine Burg aus Weiß-, Grün- und Braunglas-Containern verdeckt.
Und vielleicht möchte man vor dem Einkauf einer neuen Garderobe einfach doch den Altkleidersammler nutzen?
Der Grünstreifen – der auch durch Fußspuren durchbrochen – auf alle Fälle unter die Kategorie Straßenbegleitgrün fällt (auch bekannt als Weg- oder Verkehrsbegleitgrün) ist ein Sammelbegriff für sämtliche, zur Straße gehörenden Grünflächen und Gehölzpflanzungen. Typische Bepflanzungen sind Bäume, Gräser oder Sträucher (beispielsweise Gewöhnliche Schneebeere, Wolliger Schneeball und Alpen-Johannisbeere). Fußgänger aber in die Flaniermeilen zu locken ist so fast unmöglich, da das Auge bekanntlich mit isst, wenn der Weg Kilometer zählt. Monotonie ist kein guter Begleiter. Aber lassen Sie uns einfach nach links in dem Gang der SWB wandeln, da braucht man bei Regen nicht mal einen Schirm!

Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus

Fast schon eine Hommage an Florenz oder Neapel, besonders mit den beiden Motorrädern…… man wünscht sie sich hier der südlichen Stimmung wegen fast liebevoll knattern. Das ist Urlaub vom Alltag. Kopfkino macht so dem Woki Konkurrenz.

Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus

Je nachdem auf welcher Seite der Welschnonnenstraße wir in die Sandkaule übergehen, können wir ein wenig „bauhaus-Flair“ mitbekommen in Höhe „9-11“  Formschön, praktisch und schnörkellos, fast keusch, die Orchestrierung der Klingel, Glasbausteine und Gestaltung eines modernen Designmöbel- und Einrichtungsausstatters.

Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus

Wer seine Stadt und Gäste liebt, bereitet ihnen diesen herzlichen Empfang. So fühlt man sich auf dem weiteren Weg durchaus als gern gesehener VIP…..

Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus

Wer zu Fuß weiter wandelt und den Luxus der Zeit genießt, hat es schon fast geschafft. Einmal noch das frische Grün atmen und den Blick nach links vorbei an den letzten beiden Pollern der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Man merkt sofort: Gehen ist hier als grundlegende Form der Mobilität anerkannt und garantiert, die Poller bieten eine großartige Orientierungshilfe auch bei Nacht.

Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus

Die Hängenden Gärten am Marthashof, auch die Hängenden Gärten von Babylon Bonn genannt, waren nach den Berichten griechischer Autoren eine aufwendige Gartenanlage in Bonn am Durchgang zum Bertha-von-Suttner-Platz. Sie zählten zu den sieben Weltwundern der Antike. Gleichwohl blutet einem das Herz, da der Weg schon fast geschafft ist und der Fußweg vielleicht das eigentliche Ziel war. Und wir zitieren frei: „Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden. Und Verkehr soll immer wieder mit noch mehr Verkehr, mehr und breitere Straßen gelöst werden“ Nein, hier kommen Sie ins Spiel. Der Weg ist zu schaffen, die Zeit zu nutzen, eh man vor anderen Parkhäusern sich die Bleifüße in den Bauch steht, macht man es wie Beethoven und nehme sich zu Herzen: „Liebe, und einzig die Liebe, ist in der Lage, dir ein glücklicheres Leben zu geben..“ Ob er die Liebe zum Fußweg meinte, ist nicht überliefert, aber denkbar.

P.S.: Was wäre eigentlich die Alternative zu diesem gerade beschrittenen Wegen? Ganz einfach, eine Straße vorher abbiegen, die Langgasse führt direkt auf die Kölnstraße.

Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus

Mit freundlicher Hilfe einiger parkenden Kraftfahrer hat sich der Fußgänger hier rasch entscheiden, welche der beiden Seiten er hier nutzen möchte. Die Gedanken setzen aus dem farbigen Puzzlespiel ein Motel zusammen. Und wir können uns sicher sein: Es liegt in der Natur des Menschen, sich Wege zum Ziel zu nehmen. In diesem Sinne, schöne Ausflüge die nächsten Tage und berichten Sie uns doch Ihre Erlebnisse! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Kleiner Stadtspaziergang aus dem Beethoven-Parkhaus