Ist die Verkehrswende in Bonn angekommen?

Ist die Verkehrswende in Bonn angekommen?

Leider muss der Bau der Trambahn nach Holzlar/Hangelar noch einen Monat warten, denn aus aktuellem Anlass berichte ich heute aus dem Rathaus, wo alle Parteien die Verkehrswende ausgerufen haben.

In einer Mammutsitzung des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz am Mittwoch, dem 26. Juni 2019 wurde dieser Eindruck aus Sicht des Verfassers nicht bestätigt.

Anstatt die Kaiserstrasse für den MIV (motorisierten Individualverkehr) zu sperren, bleibt sie nun in Richtung Süden (aus der Stadt heraus) für den MIV geöffnet. In Richtung Norden, also zur Stadt hin, wird es eine „Umweltspur“ geben, mit einem drei Meter breiten Streifen für Radfahrer, den Linienbusse auf ihrer Sonderspur überfahren können. Hier bleibt der MIV aussen vor.

Ist die Verkehrswende in Bonn angekommen? Ist die Verkehrswende in Bonn angekommen?

Der Vorschlag unseres OB und Präsident des internationalenStädtenetzwerks für Nachhaltigkeit (ICLEI), die Kaiserstrasse in Richtung Norden für den MIV als Ausweichstrecke für die Adenauerallee zu öffnen, beweist, das die Verkehrswende zur Reduktion des MIV nach Meinung des Verfassers hier nicht verstanden wurde.

Die Einrichtung einer Umweltspur, nur Bus und Rad, in der Oxfordstrasse unter Wegfall einer Fahrspur für den MIV wurde von einem Vertreter der Stadtverwaltung nicht gutgeheißen. „Wegen Staus auf der Autobahn würde der MIV den Weg durch die Stadt suchen, und der Verkehr würde zusammenbrechen“. Ob eine solche Aussage dem erklärten Ziel der Jamaika Koalition „Den Anteil des Umweltverbundes aus Fußgängern, Radfahrern und Bus- sowie Bahnnutzern auf 75 Prozent zu steigern und den Autoverkehr von derzeit 41 auf 25 Prozent zu reduzieren“ entgegenkommt, überlässt der Verfasser der verehrten Leserschaft.

Der Linksabbieger vom Belderberg auf den Bertha von Suttner Platz soll nun fest installiert werden, da er den Verkehr in der Rathausgasse und vor dem Bahnhof reduziert. Die Rathausgasse soll dann im Rahmen des erweiterten Cityrings für den MIV gesperrt werden.

Ein Vortrag des Verleihradbetreibers Nextbike vermittelte uns, das der Betreiber sehr positiv überrascht sei von dem Erfolg in Bonn. Die 900 Fahrräder seien in Bonn fast immer unterwegs, was aber auch logistische Probleme mit sich bringt. So dauert das Einsammeln von 13 Fahrrädern in Bonn verkehrsbedingt bis zu 3 Stunden.

Positiv, das die „Einsammelfahrzeuge“ ab dem Sommer elektrisch angetrieben werden.

Das Unverständnis der IHK und des Verein City-Marketing zu diesen Maßnahmen war für den Verfasser zu erwarten, auch hier wurde nicht begriffen, was in vielen anderen Städten längst Tatsache ist, das nicht der Autofahrer sondern die Fußgänger und Radfahrer das Geld in die Stadt tragen.

https://bonnlab.de/utrecht-ein-modernes-maerchen/

 

Das Fazit:

Die Verkehrswende ist inzwischen ein nicht mehr wegzudenkender Begriff in der Politik. Ohne diese kommt keine Partei mehr weiter. Aber am Umgang und der Durchsetzung dieser Maßnahme scheiden sich die Geister. So meinen die einen, mit ein bisschen Radfahrwegen und Busspuren sei es getan, aber bitte dem MIV so wenig wie möglich wegnehmen. Andere sind da schon fortschrittlicher, wo immer möglich mögen Bus- und Radspuren eingerichtet werden, auch unter massiver Beschränkung des MIV.

Solange unser OB und die Verwaltung noch von Ausweichverkehr für irgendeine Autobahn oder sonstige Strassen sprechen, werden die Demonstranten, die auch heute Abend wieder zur Ratssitzung erscheinen, leider ihre Transparente hochhalten müssen!

In der Bevölkerung scheint die Notwendigkeit, mit dem Auto bis ins Geschäft fahren zu müssen, bei weitem nicht so ausgeprägt wie in der Politik zu sein. In einem „Speeddating“ zur Zukunft Beuels in der Brotfabrik verlangte keine*r mehr Raum für Autos.

Am 1. August wird dann hoffentlich die Tram nach Holzlar/Hangelar gebaut!