Bürgerexperte: Fritz Schwirz von der Initiative „Verkehrswende Bonn“

Bürgerexperte: Herand Müller-Scholtes von der Initiative "Verkehrswende Bonn"
Johanna:
Lieber Fritz,
wir starten auch bei dir direkt in die erste Frage:
Warum liegt Dir das Thema Mobilität denn besonders am Herzen?

Fritz: Mobilität hat unserer Gesellschaft in den letzten 40 Jahren viele Vorteile gebracht, ohne
zu bedenken, dass die Daseinsvorsorge in diesem Bereich stark vernachlässigt wurde. Jetzt zeigen sich die Versäumnisse. Nicht nur in der Mobilität und dem Umweltschutz. Um den ÖPNV bzw. den Mobilitätsmix als gesellschaftliche Lösung attraktiv aufzustellen und finanziell zu stärken, möchte ich meine Erfahrung zukunftsfähige Strukturen zu entwickeln in die Verkehrswende Bonn einbringen.

Bleibt die Schieflage der Autosubventionen und Kosten im Verhältnis zu den Investitionen des ÖPNV, Rad- und Fußverkehrs, scheitert die Gesellschaft an den Vorgaben des Pariser-Klimagipfels und somit am Klimawandel. Das sollten wir Bonner Bürger für uns mit den vielen Möglichkeiten in einer Demokratie für Bonn verhindern.

Johanna: Kannst du uns noch etwas mehr über dich erzählen?

Fritz: Einen großen Teil meines privaten und beruflichen Lebens habe ich in Finnland im Kontakt mit finnischen Bürgern verbracht und viele inspirierende und positive Erkenntnisse über das Land und die Menschen sammeln können. Viele Bereiche in unserer Gesellschaft könnten auch bei uns besser laufen. Nach einer neuesten UN Studie ist Finnland mit dem Platz 1 der glücklichsten Menschen weltweit gekürt worden. Andere Länder, wie Schweden, Dänemark und Norwegen folgen mit Australien.

Jeder Bürger hat in Finnland Zugang zu allen notwendigen Einrichtung, die eine intakte Gesellschaft braucht. Die Unterschiede im sozialen Gefüge sind weit geringer als bei uns und spalten somit die Gesellschaft nicht. Hohe Steuern bringen den sozialen Ausgleich. Der Einblick in die Strukturen solcher Länder ist für mich eine große Bereicherung und eine Bestätigung, dass ein gutes Klima in der Gesellschaft durch kluges und gerechtes Handeln gelingen kann.

Johanna: Warum machst du bei der Initiative „Verkehrswende Bonn“ mit und für was machst du dich stark?

Fritz: Bei der Verkehrswende Bonn habe ich die Möglichkeit die Erkenntnisse der Wissenschaft helfen umzusetzen, die Politik erst in Jahren betrachtet. Alle Mobilitätsformen bieten mir ein breites Spektrum sich für Veränderungen und Verbesserungen einzusetzen. Wie auch die streikenden Schüler ist jeder einzelne Bürger in der Verantwortung sich um die Belange in seiner Gesellschaft zu kümmern:
Stichwort “ Mündiger Bürger “

Die heutigen Probleme unseres gemeinsamen Zusammenlebens können wir nicht allein der folgenden Generationen überlassen, die sich natürlich verraten fühlen muss. Auch die Politik scheint überfordert, wie man täglich erlebt. Strukturen sind veraltet und Systeme sind am Ende. Umdenken und Erneuerung findet nicht statt. Das muss sich schleunigst ändern!

Jeder der mit anpacken möchte und kann ist aufgerufen seinen Beitrag einzubringen.

Auch gern mit uns!

Johanna: Welche Ziele und Visionen sollten wir bei der Bonner Verkehrswende anstreben?

Fritz: Der jetzige Zustand dieser Stadt Bonn ist sehr unerfreulich. Staus, Lärm, Abgase und schlechte Aufenthaltsqualität prägen die Stadt. Eine ungleiche Platzverteilung der Mobilitätssysteme blockiert jegliche positive Entwicklung zu einer Stadt für alle Bürger. Hier helfen gemeinsame klare Erkenntnisse was Bürger zum Wohle aller bewegt und daraus klare Ansagen an das Stadtparlament in Bonn formuliert.

 

Wichtig sind die Themen, die der Umwelt und den Menschen in dieser Stadt nutzen. Hinweg über alle Konfessionen und den sozialen Unterschieden. Das Auto löst nicht mehr alle unsere Probleme. Das Auto selbst wird mehr und mehr zum Problem. Ein Mobilitätsmix ist angesagt, will die Stadt nicht im Chaos versinken. Denke an die kommenden Großbaustellen in Bonn. Es gibt in der Stadt Bonn viele Probleme, die von vielen Bürgern anders betrachtet und beurteilt werden als von den Ratsmitgliedern. (Beispiel Bäderfrage.)

 

Weitere Bürgerbegehren sind notwendig, um in der politischen Führung der Fantasielosigkeit und den Fehleinschätzungen der Projekte ein Ende zu bereiten.

Johanna: Was bedeutet für dich eine gelungene Verkehrswende?

Fritz: Der enge Kontakt über Social Media zu den Bürgern dieser Stadt ist für den Informationsfluss und für eine gelungenen Verkehrswende sehr wichtig. Bürgerexperten des Teams Verkehrswende Bonn informieren sachgerecht alle Bürger und Politiker über die relevanten Themen. Wir wollen die Studien und Gutachten, die ja von der Politik bezahlt wurden auch nutzen und nicht durch Lobbyismus in den Schubladen verschwinden lassen. Gelungen ist eine Verkehrswende, wenn die vorhandene Mobilitätsarten ausgewogen den vorhandene Raum in Bonn nutzen können und somit eine gute Aufenthaltsqualität und eine funktionierende Daseinsvorsorge den Bürgern angeboten wird.

Johanna: Welcher konkreten Schritte bedarf es Deiner Meinung nach, um die Verkehrswende erfolgreich in Gang zu bringen?

Fritz: Das aktive Team Verkehrswende Bonn wächst erfreulicherweise rasant. Bonner Bürger mit der Einsicht zum Wandel sind für diese Stadt unerlässlich. Das weitverbreitete Unbehagen soll mit den vorhandenen Konzepten der Wissenschaft
abgebaut werden. Der notwendige Systemausbau im Bereich ÖPNV, Carsharing, Fahrradverleih mit Fahrradparkplätzen und den erforderlichen Platzbedarf für Fußgänger, sind dringend notwendig.

Wir brauchen den Mut etwas auszuprobieren, auch mit anschließenden Korrekturen.
Wenn wir Bürger von den gewählten Vertretern nicht richtig vertreten werden, ist eine Veränderung an den entsprechenden politischen Stellen unabdingbar. Und das geht einfach bei demokratisch Wahlen, zB. in Bonn im Mai 2020.
Jetzt anfangen und mitmachen heißt das Zauberwort.
Nicht nachlassen bringt den nachhaltigen Erfolg.

Macht mit, jetzt !
Vielen Dank für die Beantwortung all unserer Fragen. Wir durften dich ja jetzt etwas besser kennenlernen und sind der festen Überzeugung, dass wir gemeinsam viel erreichen können. Wir freuen uns schon sehr noch mehr von dir zu hören und hier in Bonn auch gemeinsam tatkräftig zur Sache zu schreiten.
In 2 Wochen geht es weiter mit der Vorstellung von Jürgen Huber. Er schreibt bei der „Verkehrswende Bonn“ über das Thema „ÖPNV“.
Johanna Schäfer
Johanna Schäfer
Johanna Schäfer ist die Gründerin und Geschäftsführerin des BonnLAB. 2015 schloss sie ihr Architekturstudium ab, seitdem widmet sie sich den Themen Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit und Partizipation - nicht nur in Bonn, sondern international. Im Laufe der Jahre hat sie sich eine ausgezeichnete Expertise im Bereich Social Media erarbeitet und auch Dank der Neuen Medien eine breitgefächerte und starke Community aus Selbstständigen, Machern, NGOs, Weltverbesserern, Politikern, Journalisten (und vielen anderen Berufen und Leidenschaften) aufgebaut. Social Entrepreneurship ist Johanna eine große Herzensangelegenheit und ihre Mission ist es all die tollen #CityChangers unserer schönen Stadt Bonn sichtbarer zu machen und sie dazu zu mobilisieren sich aktiv für eine lebenswerte(-re) Zukunft einzusetzen.