4.000 Menschen statt Autos gehen auf die Straße

4.000 Menschen statt Autos gehen auf die Straße

Am Bonner Friday For Future sind bei eher nassem Wetter also über 4000 Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten, Eltern und Großeltern, Bonnerinnen und Bonner auf die Straße gegangen. Sie liefen die 2,5 Kilometer durch die Innenstadt vom Münsterplatz vorbei am Hauptbahnhof, zum Friedensplatz, dann von der EU-Kommission am Bertha-von-Suttner-Platz, über den Belderberg und die Rathausgasse zurück neben das Beethoven-Denkmal. Jeder konnte eine große bunte starke Synfonie der Plakate und Sprüche, Wünsche und Forderungen wahrnehmen. Nur viele Zyniker haben bis heute nicht verstanden, dass es von uns Erwachsenen den jungen Menschen gegenüber extrem unfair ist, ihnen ein Leben in Verschwendung und unbeschreiblichem Konsum als Vorbilder vorzuleben und sich dann zu beklagen, wenn man dagegen protestiert und die Schüler sollten bitte zur Schule gehen, und doch öfter einfach mal Computer und Handy ausmachen und nicht in den Urlaub fliegen und so viel Klamotten kaufen.

Wer Strukturen festlegt in der Gesellschaft

Und dann soll Greta die doch für so einen „Unfrieden“ sorgt noch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden. Ja hoffentlich. Schlimm genug, dass es bei all den Profis so weit kommen konnte. Doch in einer Demokratie hat man nur zwei Möglichkeiten. Die eine ist immer, zur Wahl zu gehen und bei einer Partei einfach ein Kreuz zu machen. Die andere, die dann noch bleibt ist mit den Füßen abzustimmen. Das ist immer dann notwendig, wenn Bürgerwille und Selbstverständlichkeiten nicht umgesetzt werden. Wenn die Einzelnen sogar merken, dass Mehrheitsmeinungen und gesunder Menschenverstand sich nicht mehr in politisches Handeln niederschlagen, sondern wichtige Entscheidungen ständig verschoben, oder nur Partikularinteressen vertreten werden ohne Blick auf das Gesamtbild.

Gehzeug als Symbol des Gegensatzes

Am Ende der Demo wurde in einem der Workshops das Gehzeug , nach der Idee des Wiener Verkehrsprofessors Knoflacher aufgebaut. Ein simpler Holzrahmen konnte so allen anschaulich verdeutlichen, wie wenig Platz ein Fußgänger einnimmt in der Innenstadt im Vergleich zu den Maßen eines normalen Autos. Wieviel Platz die Stadt Bonn also aus anderer Perspektive aufbringen muss, um den Individualverkehr am Rollen und Parken zu unterstützen. Und im Gegenzug, wie wenig Platz dem klimaneutralen Fuß-, Rad und ÖPNV-Verkehr leider zugestanden wird. 50% der Bonner Wege sind nur bis zu 5 Kilometer lang, zu Fuß brächte man dafür bekanntlich eine Stunde, mit dem Rad oder Auto jeweils 18 Minuten. Warum entscheiden sich so viele gegen das Zufußgehen? Weil die Wege noch nicht attraktiv und bequem sind! Angenommen, die 4.000 Protestierenden wären in die Stadt mit dem Auto gefahren, dann hätte der Münsterplatz (ca 1.800 qm) nicht ausgereicht, um die Autos zu parken. Es wären 22 Münsterplätze dazu nötig gewesen! Statt nebeneinander auf einer Fahrbahn als Fußgänger hätten die Autos der Teilnehmenden einen zweispurigen Stau von 10 Kilometern ergeben, das ist vom Münsterplatz bis nach Siegburg.

Was bleibt?

Wer Kindern das Elterntaxi erspart, erzieht sie zu selbstständigen und selbstbewußten Menschen. Wenn mehr Menschen in der Stadt laufen, bleiben Wege durch die dann bestehende soziale Kontrolle sicherer. Wer mehr läuft, lebt gesünder. Nicht nur wegen der Luft und Bewegung. Doch der Bundestag hat während des Friday For Future kein gutes Zeichen gesetzt, wenn die Grenzwerte für Stickoxid (NO2) einfach hochgesetzt wurden. Die Regierung aber gleichzeitig endlich Gesetze für konkreten Klimaschutz festlegen. Ein Schüler dazu: „Wenn ich jede Woche nur an einem Fünftel (also 20%) der Schultage im Unterricht fehle, weil ich an den dann vielleicht nötigen täglichen FridaysForFuture-Demos teilnehme (jeden Freitag, 5 Wochentage); ist das dann auch nur eine „geringfügige Verletzung der Schulpflicht? Laut einem neuen Gesetz des Bundestages vom Freitag soll ja jetzt eine Überschreitung des europäischen Schadstoff-Grenzwertes um 25% (50/40=1,25) als „geringfügig“ bewertet werden. Bin gespannt welcher Profi das beantworten kann!
Nehme sachdienliche Hinweise, Lob und Kritik gerne entgegen.

4.000 Menschen statt Autos gehen auf die Straße
Das Gehzeug als Symbol des Flächenverbrauchs in der Innenstadt durch Straßen und Parkplätze, statt mehr Raum für Fußgänger*innen